Im März besuchte Herr Ernst Otto Krakenberger im Rahmen der historisch-politischen Bildung sowie im Anschluss an die kurz zuvor stattgefundene Exkursion zur Gedenkstätte und Tötungsanstalt Hadamar unsere Integrative Realschule in Vallendar.

Der 85-jährige Nürnberger berichtete den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 aus seinem Leben- während der Zeit des Nationalsozialismus und den Jahren danach.

Herr Krakenberger wurde als Kind ausgewanderter deutscher Juden 1940 in den Niederlanden geboren. Während der Verfolgung und Deportation der Juden gaben seine Eltern ihn einer befreundeten nichtjüdischen Familie, die ihn versteckte. Sie hatten Angst, er würde die Deportation nicht überleben. Familie Stockmann, die ihn versteckte, riskierte dadurch ebenfalls ihr Leben, aber glücklicherweise ging alles gut.

In seinem Vortrag schilderte er nicht nur seine persönliche Erinnerungen, sondern verlas den Brief seiner Pflegemutter Maja Stockmann, in dem sie ihre gemeinsame Zeit schilderte. Hier wird Geschichte lebendig, denn die Gefahr, in der sich die Familie befunden hat- wird den Schüler*innen eindringlich nahegebracht.

Die schriftlichen Aufzeichnungen der Pflegemutter zeigten unseren Jugendlichen, wie familiäre Zivilcourage und Flucht konkret aussahen. Diese sehr persönlichen Einblicke verliehen der historischen Thematik eine besondere Eindringlichkeit und machten sie für die Jugendlichen greifbar.

Ermunternd und zugleich warnend waren die Abschlussworte Herrn Krakenbergers, als er sagte, dass er nicht daran glaube, dass sich das, was im NS-Regime geschah, wiederholen könne. Doch der Appell war klar: Solch eine Verfolgung könnte nur dann wieder geschehen, „wenn gute Menschen zur Seite schauen“.

Nach dem Vortrag nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Thematisiert wurden unter anderem persönliche Rückblicke, aktuelle politische Radikalisierungsprozesse, Krieg und Angst sowie auch der gegenwärtige Israel-Gaza-Konflikt, stets verbunden mit der Hoffnung auf Zusammenhalt und baldigen Frieden.

Ziel des Zeitzeugengesprächs war es, das „Nie wieder“ unmittelbar erfahrbar zu machen. Dies gilt für jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit.. Damit ist Herrn Krakenbergers Besuch nicht nur ein historischer Rückblick, sondern ein Handlungsauftrag für die Gegenwart und Zukunft.

Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass Erinnerung keine Selbstverständlichkeit ist. Sie lebt davon, dass junge Menschen informiert werden und angeregt werden, nachfragen und Verantwortung zu übernehmen – sonst verlieren die Erinnerungen an Bedeutung.

Wir danken Herrn Krakenberger herzlich für sein Kommen, seine Offenheit und sein und Herrn Winklers langjähriges Engagement für die Erinnerung und Aufklärung.