Im Februar 2026 besuchten die vier Klassen der Jahrgangsstufe 9 der Integrativen Realschule plus Vallendar im Rahmen des Gesellschaftslehreunterrichts die Euthanasie-Gedenkstätte Hadamar.

Die Gedenkstätte erinnert an die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes, bei denen tausende Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen ermordet wurden. Die Tötungen erfolgten systematisch – unter anderem in einer Gaskammer, durch tödliche Injektionen oder durch bewusstes verhungern lassen. Sie galten im menschenverachtenden Denken der Nationalsozialisten als „lebensunwert“.

Die Schülerinnen und Schüler nahmen- neben der Führung durch die Gedenkstätte- an einem Workshop teil. Dabei wurde der Weg der Opfer nachvollziehbar gemacht, indem sie diesen ebenfalls gingen:

Die erste Station war die Garage, in der die Menschen aus den sogenannten „grauen Bussen“ ausgeladen wurden. Von dort aus führte ihr Weg durch verschiedene Räume – unter anderem den Raum der ärztlichen Untersuchung, in dem bereits Todesursachen für noch lebende Menschen festgelegt wurden – bis hin zur Gaskammer, in der viele Opfer durch Kohlenmonoxid ermordet wurden.

Anhand von Biografien einzelner Opfer wurde deutlich, wie willkürlich und grausam das System funktionierte. Die Lernenden setzten sich intensiv mit den persönlichen Schicksalen auseinander und lernten deren Namen und Geschichten kennen. Diese direkte Begegnung mit der Geschichte machte das Ausmaß der Verbrechen besonders greifbar und bewegte viele Teilnehmende sehr.

Der Zeitzeuge Ernst Krakenberger sowie seine Begleiter*in Herr und Frau Winkler begleiteten zwei der Klassen durch die Gedenkstätte. Sie zeigten sich sehr beeindruckt von der Arbeit der Gedenkstätte und vom Engagement der Schülerinnen und Schüler während des Besuchs. Der Austausch mit ihnen bot den Jugendlichen eine zusätzliche Möglichkeit, über Erinnerungskultur und Verantwortung zu sprechen.

Zum Abschluss besuchten alle den Friedhof oberhalb der Klinik, auf dem der Opfer gedacht wird – unabhängig von Herkunft oder Religion. Dort legten die Schülerinnen und Schüler eine Gedenkminute ein und reflektierten das Erlebte. Das auf einer Stele eingravierte Zitat „Mensch, achte den Menschen“ machte deutlich, welche Bedeutung Erinnerung und historisches Lernen für unsere heutige Gesellschaft haben.

Viele Schülerinnen und Schüler äußerten im Anschluss ihre Betroffenheit über das Geschehene und stellten sich die Frage, warum damals so wenige Menschen Widerstand geleistet hatten. Der Besuch macht deutlich, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, um Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und dafür einzustehen, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.